Nützliche Health-App: Ansprechend, vertrauenswürdig, wirksam?

Beim UX Congress in Frankfurt stand erstmals auch das Thema mHealth im Fokus, insbesondere die Bedeutung der User Experience (UX) für den Nutzen von Gesundheits-Apps. Was ist eine „gute“ Health-App? Nützlich, vertrauenswürdig, ansprechend und wirksam…: Unter diesem Titel stellte Dr. Ursula Kramer, sanawork, das derzeit gesicherte Wissen zu Anwendungsgebieten sowie zur Qualität und Wirksamkeit von Gesundheits- und Medizin-Apps vor. Sie informierte über die derzeitigen Ansätze zur Etablierung von Qualitätsstandards, die darauf abzielen, Verbraucher vor Fehl- oder Falschinformation bzw. vor dem Ausspähen ihrer Gesundheitsdaten durch Dritte zu schützen.

Mittlerweile umfasst das Angebot an Gesundheits- und Medizin-Apps weltweit über 100.000 Apps,wenn man alleine die beiden großen Kategorien "Medizin" und "Gesundheit & Fitness" von Google Play und iTunes berücksichtigt. Drei Viertel dieser Apps werden praktisch nicht genutzt, erkennbar an den fehlenden Bewertungen und Kommentaren und den sehr geringen Downloadzahlen (weniger als 1000 Downloads weltweit). Woran liegt das?

Aus Studien ist bekannt (GAPP Studie 2014), dass Nutzer in der Regel auf eigene Faust die Stores nach hilfreichen Gesundheits-Apps durchsuchen: Sie geben Suchworte ein, schauen sich danach die Trefferlisten an und orientieren sich an den Kommentaren und der Anzahl der Bewertungen. Dann entscheiden sie, ob sie eine App näher betrachten:
"Spricht mich die App an, schätze ich sie als seriös ein, verspricht sie mir die erwartete Unterstützung?" Ansprechendes App-Design, eine erkennbar klare Menüführung und nutzerorientierte Texte können das Interesse der Nutzer wecken. Die allermeisten Apps scheitern bereits an dieser Hürde.
Schafft es eine Gesundheits-App das Interesse zu wecken, stößt der Nutzer auf eine zweite Hürde: Wie lassen sich die Qualität und Vertrauenwürdigkeit der gesundheitsbezogenen Inhalte  einschätzen?  Berücksichtigt die App die von Fachleuten als wirksam eingestuften Modelle zur Verhaltensänderung, orientiert sie sich an den Empfehlungen der medizinischen Leitlinien, sind die Gesundheitstipps aktuell, sind die personenbezogenen Daten sicher, die mit der App dokumentiert, ausgewertet oder geteilt werden können?

"Nur jede dritte Gesundheits-App informiert ihre Nutzer mit einer Datenschutzerklärung. Selbst Diabetes-Apps klären kaum auf über die verwendeten Quellen und Autoren oder informieren über ihre Finanzierungs- und Werbepolitik. Der Nutzer kann mögliche Interessenkonflikte deshalb nicht erkennen," so Dr. Ursula Kramer, die Expertin für Health-Apps.

Bisher gibt es keine verbindlichen Qualitätsstandards für Health-App Entwickler, so dass der Nutzer selbst gefordert ist, sich informiert für oder gegen eine App zu entscheiden. Je sensibler die Daten, die mit der App verwaltet werden sollen und je intensiver der Verbraucher oder Patient die App zukünftig nutzen will, umso wichtiger ist der Blick auf die Angaben des Herstellers zu Qualität und Transparenz der App (HealthOn Ehrenkodex), die häufig sehr lückenhaft sind.
"Wir haben auf der Basis der Überprüfung von hunderten von Gesundheits-Apps eine App-Checkliste entwickelt, die wir auf der Informations- und Bewertungsplattform für Health-Apps Verbrauchern und Patienten zur Verfügung stellen. Sie soll helfen, das Risikopotential einer Gesundheits-App einzuschätzen und die Angaben zu Qualität und Transparenz einer Gesundheits-App einfacher zu überprüfen. Ziel ist es, sich informiert für oder gegen eine Gesundheits-App zu entscheiden und eine geeignete, vertrauenswürdige Unterstützungshilfe zu finden," so Dr. Kramer beim UX Congress in Frankfurt.

Zum Programm: UX Congress, 19./20.10.2015, Frankfurt

 

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