Genau hinsehen, dann erst nutzen

Die Redaktion der Apotheken Umschau startet mit dem Titelthema "Digitale Medizin" ins Jahr 2016. Sie befragte die Expertin für Digital Health, Dr. Ursula Kramer, nach Tipps für Patienten, die sich im Daten-Dschungel sicher bewegen wollen."Wir analysieren Gesundheits-Apps schon seit 2011 und haben dabei von Anfang an untersucht, wie diese Apps in Punkto Qualität abschneiden. Mittlerweile haben wir in unseren Marktscreenings über 6.000 Apps unter die Lupe genommen. Die Testberichte von über 400 Gesundheits-Apps können Verbraucher auf der mittlerweile größten Informations- und Bewertungsplattform für Health-Apps "HealthOn" einsehen und sich mit diesen Informationen bei der Suche nach geeigneten Gesundheits-Apps unterstützen. Eine von uns eigens für Verbraucher und Patienten entwickelte Checkliste Gesundheits-Apps hilft dabei, das individuelle Risiko abzuschätzen, das für den Einzelnen von der Nutzung einer bestimmten App ausgeht - abhängig davon, wofür und wie häufig die App genutzt wird.

Grundsätzlich herrscht sehr viel Enthusiasmus sowohl bei den Anbietern als auch bei den Nutzern von Gesundheits-Apps. Verbraucher und Patienten sind sehr interessiert an Apps, mit denen sie sich selbst aktiver um ihre Gesundheitsvorsorge kümmern oder ihren Alltag mit einer chronischen Krankheit besser bewältigen können. Bisher gehen sie dabei auf eigene Faust los, ohne Beratung von Seiten Ärzten oder Apothekern (GAPP-Studie). Die Apps sind vermeintlich einfach zu bedienen, bieten einen schnellen Zugang zu Gesundheitsinformationen, erklären Fachbegriffe, erinnern an die Tabletteneinnahme, helfen die gemessenen Blutdruck- oder Blutzuckerwerte zu dokumentieren und deren Verlauf auszuwerten. Das ist grundsätzlich positiv. Dennoch sollten die Nutzer einige Regeln beachten, um sicher zu sein, dass die Gesundheits-Tipps Hand und Fuß haben, und nicht von Firmen oder Produktinteressen des Anbieters beeinflusst sind:

1. Impressum prüfen - Wer ist Anbieter der App? - Nur so lassen sich im Haftungsfall Ansprüche geltend machen

2. Wer finanziert die kostenlose App und warum? - Schleichwerbung erkennen.

3. Wer steht für die Richtigkeit der Medizinischen Tipps, wer sind die Autoren?

4. Auf welche Quellen beruhen die Informationen der App (Med. Leitlinien, Studien etc.), wie aktuell sind sie?

5. Außerdem sollten Apps mit einer verständlich geschriebenen Datenschutzerklärung ihre Nutzer informieren, ob und wie sie mit den Nutzerdaten umgehen, denn schließlich lässt sich jeder App-Nutzer eindeutig zurückverfolgen:

  • Warum nutzt Frau Müller eine Parkinson- oder eine Kinderwunsch-App? Was wäre, wenn diese Information in die Hände des Arbeitgebers oder des Lebensversicherers gerät?

Derzeit klären nur wenige Apps ihre Nutzer so auf, wie das aus unserer Sicht wünschenswert wäre, um Verbrauchern bei der selbstbestimmten Auswahl einer "guten" Gesundheits-App zu helfen. Informationen zu den wichtigen Qualitätskriterien des sogenannten HealthOn-Ehrenkodex und zu Gesundheits-Apps, die umfassend aufklären und das blaue HealthOn Siegel führen, finden Verbraucher auf HealthOn."

Quelle: Ausschnitte aus dem Interview von Franziska Dräger, Apotheken Umschau, mit Dr. Ursula Kramer, HealthOn - Informations- und Bewertungsplattform für Health-Apps.

 

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