Wie gut sind Gesundheits-Apps?

Im Thieme Verlag ist aktuell eine neue Übersichtsarbeit erschienen: Wie gut sind Gesundheits-Apps? Was bestimmt Qualität und Risiko? Welche Orientierunghilfen gibt es?
Die Autorin Dr. Ursula Kramer, die mit ihrem Team in den letzten Jahren über 6.000 Gesundheits-Apps analysiert hat, beleuchtet darin den Qualitätsbegriff und grenzt Begrifflichkeiten ab - Gesundheit-Apps, Medizin-Apps, Apps als Medizin-Produkt. Sie erklärt darüber hinaus das Prinzip der Risikoklassifizierung von Gesundheits-Apps. Danach wird das Risiko einer Gesundheits-App sehr stark davon bestimmt, welche Unterstützungen die App anbietet und wie und wofür ein Verbraucher oder Patient diese nutzt.

Quelle: Kramer U., Wie gut sind Gesundheits-Apps? Aktuel Ernährungsmed 2017; 42: 193-205, Thieme Verlag

Aus dem Inhalt: Gesundheits-Apps haben in wenigen Jahren weite Teile der Bevölkerung erreicht. Ob sich mit diesen Apps die erwarteten Gesundheitsziele besser erreichen lassen und ob die Gesundheitsinformationen oder Handlungsempfehlungen der Apps unabhängig, korrekt, aktuell und damit vertrauenswürdig sind, lässt sich nicht nur für Verbraucher und Patienten, sondern auch für Ärzte, Therapeuten und Pflegekräfte, d. h. Health Care Professionals (HCP) aufgrund lückenhafter Aufklärung durch die App-Anbieter schwer einschätzen.

Von staatlicher Seite ist für fast alle Apps vor Veröffentlichung in den Stores weder in Deutschland noch in den USA eine Qualitätsüberprüfung vorgesehen. Experten aus Politik und Wissenschaft fordern zum Schutz von Verbrauchern verbindliche Kriterien, die eine Qualitätseinschätzung der nicht regulierten Gesundheits-Apps erlauben.

Führt man die Qualität einer App primär auf ihren Nutzen und ihre Unbedenklichkeit für den Verbraucher zurück, rücken Aspekte wie Zielgruppenerreichbarkeit und Zielgruppenorientierung einer App als qualitätsbestimmende Faktoren in den Vordergrund. Nur wenige Apps erreichen relevante Nutzergruppen und werden nachhaltig genutzt. Unter dem Aspekt der Patientensicherheit sind große Unterschiede im Nutzungsrisiko einer Gesundheits-App erkennbar.

In diesem Kontext wird die vierstufige Risikoklassifizierung vorgestellt, die auf der Grundlage der Analyse von über 6.000 Gesundheits-Apps empirisch entwickelt wurde. Außerdem wird am Beispiel der Qualitäts- und Transparenzkriterien des Healthon Ehrenkodex gezeigt, wie sich Gesundheits-Apps einschätzen lassen im Hinblick auf folgende Aspekte: Individuelles Nutzungsrisiko für ihren Anwender, Sachverständigkeit des Unterstützungsansatzes, Unabhängigkeit der gesundheitsbezogenen Inhalte, Schutz der mit der App erfassten persönlichen Nutzungs- und Gesundheitsdaten, Möglichkeit des Nutzers im Haftungsfall Verbraucherrechte durchsetzen zu können.

Kramer U.,

Stichworte: Gesundheits-Apps, Qualitätskriterien, Risikoklassifizierung, Nachhaltigkeit, Wirksamkeit, Zielgruppenerreichbarkeit, Sicherheit

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