Digital Health: Verbraucher und Patient rücken in den Mittelpunkt

Die Hauptkrankheitslast in Deutschland geht im Wesentlichen auf Erkrankungen zurück (z. B. Rückenschmerz, Ischämische Herzerkrankungen, Depression, Krebs), die eng mit verhaltensbedingten Risiken verknüft sind (Ernährung, Bewegung, Tabaksucht). "Ob und wie lange wir gut und gesund leben können, hängt nicht ausschließlich, aber zu einem hohen Prozentsatz von uns selbst und unserem Verhalten ab", so Dr. Ursula Kramer in ihrem einleitenden Impulsvortrag beim Forum "Perspektiven digitaler Gesundheitsprävention".
Im Rahmen des 1. Landeskongress Gesundheit stand der digitale Wandel im Gesundheitswesen im Mittelpunkt. EU-Kommissar Günther Oettinger stellte klar - es ist nichr mehr die Frage ob, sondern lediglich wie die digitale Revolution das Gesundheitssystem in Deutschland, Europa und weltweit umgestalten wird.

"Die neue Lust an der Selbstvermessung hat Verbraucher und Patienten längst erreicht. Über Alters- und Schichtgrenzen hinweg sind Menschen, rundum die Uhr und überall mit Smartphones zu erreichen," so Dr. Ursula Kramer. Einfacher, günstiger und sehr wahscheinlich auch effektiver als bisher dringen digitale, gesundheitsförderliche Unterstützungsmöglichkeiten in die Lebenswirklichkeit von Menschen ein. "Sie können dort ansetzen, wo Gesundheit entschieden wird, bei Selbstbefähgigung, Kompetenz und Autonmie des Einzelnen, bei Motivation von Verbrauchern und Patienten," so die Expertin für digitale Gesundheitsprävention, die sich intensiv mit der Qualität und dem Unterstützungsumfang von Gesundheits- und Medizin-Apps beschäftigt. Auf der Plattform HealthOn ermöglicht sie Verbrauchern den Zugang zur Testberichten von über 430 deutschsprachigen Gesundheits-Apps.

Wie denken Verantwortliche in der Gesundheitswirtschaft, Ärzte, Krankenkassen, Standespolitker über die Chancen und Risiken und über die erforderlichen Umbauprozesse im Gesundheitswesen?
Hier die Kernfragen, die beim Forum "Perspektiven Digitaler Gesundheitsprävention" diskutiert worden sind:

  • Endlich der ersehnten Durchbruch für Gesundheitsprävention? Was muss sich jetzt dringend ändern, damit auch Deutschland unterstützt durch den Digitalen Wandel "Freie Fahrt für Prävention" möglich machen kann.
  • Wollen wir das überhaupt diese Veränderungen, oder ist uns der Preis dafür zu hoch? Zahlt letztlich der Einzelne dafür die "Zeche" mit Einschränkungen seiner persönlichen Selbstbestimmung, mit einem Verlust an Privatsphäre? Ist das der erste Schritt in Richtung "Entsolidarisierung" der Versicherungssysteme?
  • Unter welchen Voraussetzungen sind wir bereit, die mit Wearables und Apps erfassten Daten zu unseren Lebensgewohnheiten, zu vermeintlichen Gesundheitsrisiken (Blutdruck, Blutzucker etc.) zu Gunsten neuer Erkenntnisse preiszugeben?
  • Können wir von "Big Data" gerade im Gesundheitswesen ganz wesentlich als Gesamtgesellschaft profitieren, z. B. besser verstehen, wie sich Demenz, Krebs, Depression abhängig von Lebensumständen entwickeln? Können wir Erkenntnisse gewinnen, die uns helfen, diese großen Volkskrankheiten eines Tages zu überwinden?

Wearables und Apps haben die die Massenmärkte längst erreicht - ohne Zutun der etablierten Akteure im Gesundheitsmarkt nutzt heute jeder 5. in Deutschland bereits Gesundheits-Apps, jeder 10. trägt bereits ein Fitnessarmband, mit dem Bewegungsdaten aufgezeichnet werden. Die Vision von mehr Autonomie und Selbstbestimmung auch in Sachen Gesundheit, der Umbau unserer Gesundheitsversorgung hin zu präventions- und patientenorientierter Leistungserbringung scheint durch die Digitalisierung in greifbare Nähe zu rücken.

1. Landeskongress Gesundheit: Perspektiven Digitaler Prävention, Impulsvortrag Dr. Ursula Kramer, 29.01.2016, Stuttgart

 

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