Online-Coaching genauso wirksam wie das Therapiegespräch?

Angstexperte Hans Morschitzky (re.) stellt seine „Panik-App” im Münchner Presseclub vor. Daneben (v.l.n.r.): Klaus Rupp (Techniker Krankenkasse), Timo Stolz (Universität Bern), Dr. Ursula Kramer (Healthon – Bewertungsplattform für Health-Apps).

Zum 25. Jubiläum der Münchner Schmerzhilfe (MASH) stellte die technisch-literarische Journalistenvereinigung im Münchner Presseclub das Thema Mind-Apps auf die Agenda:

APPS – ELEKTRONISCHE HELFER FÜR DIE SEELISCHE GESUNDHEIT?

  • Der österreichische Autor und Psychotherapeut Dr. Hans Morschitzky hat viele Bücher zum Thema Angst und Panikattacken geschrieben. Im November erscheint nun auch seine erste App in den beiden großen App-Stores: Endlich leben ohne Panik. In Österreich, wo betroffene die Therapie aus eigener Tasche bezahlen müssten, sei das Interesse an Selbsthilfe sehr groß.
  • Der Psychotherapeut Timo Stolz von der Universität Bern berichtete über eine Studie, in der die vom Universitätsspital entwickelte Selbsthilfe-App gegen soziale Angst mit dem klassischen Psychotherapie-Ansatz verglichen wurde und erstaunlich gut abschneiden konnte.
  • Auch Klaus Rupp von der Techniker Krankenkasse berichtete über positive Erfahrungen mit dem Online-Depressionscoach der TK, der zu ähnlich guten Ergebnissen führe, wie die Gesprächstherapie beim Psychotherapeuten. Diese neuen Online-Angebote bieten seiner Meinung nach die Möglichkeit, qualitätsgesichert ein niedrigschwelliges Angebot machen zu können ohne langen Wartezeiten für die Betroffenen. Die Techniker Krankenkasse arbeitet mit wissenschaftlichen Exzellenzzentren zusammen, in diesem Fall z. B. mit der Charité Berlin. Das Angebot werde evaluiert und über eine Dauer von 2 Jahren nachbeobachtet.
  • Dr. Ursula Kramer, die Expertin für digitale Gesundheit, hat durch den Aufbau der unabhängigen Informations- und Bewertungsplattform für Health-Apps HealthOn eine guten Überblick über die derzeitige Qualität von Gesundheits-Apps. Aus ihrer Sicht brauchen Verbraucher mehr Orientierung und Medienkompetenz, um die Chancen der neuen digitalen Medien selbstbestimmt nutzen zu können. Bei der Vielzahl von Gesundheits-Apps, sei es schwierig, die Spreu vom Weizen zu trennen. Derzeit sind es in den beiden großen App-Stores ca. 140.000 Gesundheits-Apps im engeren Sinne, d. h. in den beiden Kategorien Gesundheit & Fitness sowie Medizin. Auf der Suche nach nützlichen und vertrauenswürdigen Angeboten seien Verbraucher und Patienten auf sich selbst gestellt. Deshalb hat sie eine Checkliste Gesundheits-App entwickelt, mit der Nutzer Gesundheits-Apps anhand weniger Kriterien auf ihr Risiko bzw. ihre Vertrauenswürdigkeit selbst einschätzen könnten. Nur eine der 26 untersuchten deutschsprachigen, kostenlosen Entspannungs-Apps informiere z. B. mit einer Datenschutzerklärung über den Schutz bzw. die Verwendung von Nutzerdaten. Das zeige wie wichtig es sei, dass Verbraucher erst genau hinsehen, bevor sie einer App ihre Daten anvertrauen, insbesondere dann, wenn diese Daten Rückschlüsse auf die psychische Gesundheit ihrer Nutzer erlaube.

Mind-Apps: Elektronische Helfer bei Seelenleiden – Chancen, Risiken und Nutzen
TELI Jour-fixe, Presseclub München, 24.11.2015

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