Digitale Ernährungsrevolution: Chancen & Risiken

Für junge Mütter dreht sich in den ersten Jahren alles sehr intensiv um die Gesundheit ihres Kindes. Zum Teil sehr emotionale Diskussionen prägen die Auseinandersetzung über Sinn und Unsinn von immer neuen Trends selbsternannter Ernährungsexperten, so die Publizistin Dagmar von Cramm in ihrem Eröffnungsstatement. Die Verunsicherung sei extrem groß.
Deshalb bietet das Kompetenzzentrum für Ernährung (KErn) des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten zusammen mit dem "Netzwerk Gesund ins Leben" und der "Stiftung Kindergesundheit" seit kurzem eine Reihe von Gesundheits-Apps, die Mütter in den entscheidenden ersten drei Lebensjahren ihrer Kinder begleiten sollen. Im Gegensatz zu vielen anderen Ernährungs-Apps, basieren diese drei Apps auf den Empfehlungen nationaler Leitlinien. Sie sind in Zusammenarbeit mit Universitäten entwickelt worden, die sich intensiv mit den Auswirkungen einer gesunden Ernährung in der Schwangerschaft und in den ersten drei Lebensjahren eines Kindes beschäftigen. Die sog. App-Trilogie wurde am 9.12.2015 bei einem ganztägigen Workshop in München den Journalisten von Fach- und Publikumsmedien vorgestellt.

Sowohl Angebot als auch Nachfrage nach Ernährungs-Apps seien riesig, betonte Dr. Ursula Kramer, die sich seit 2011 mit ihrer Informations- und Bewertungsplattform HealthOn für bessere Qualtiät von Gesundheits- und Medizin-Apps einsetzt. Ob diese Apps tatsächlich dazu beitragen können, die Ernährungskompetenz zu verbessern, das Gewicht dauerhaft zu kontrollieren bzw. zu reduzieren oder die körperliche Fitness zu unterstützen, müssen kontrollierte klinische Studien zeigen. Es werde derzeit sehr intensiv an Fragestellungen geforscht, welche Hilfefunktionen Apps bieten müßten und wie sie als Bausteine in therapeutische Gesamtkonzepte eingebunden werden können, um die erhoffte Wirksamkeit nachweislich erbringen zu können. Bisher sei die Evidenzlage noch eher dünn, das werde sich zukünftig ändern. Die sog. "Wearables" - Gesundheits- und Fitness-Tracker, haben die Massenmärkte bereits erreicht. Weltweit über 100 Millionen Nutzer vermessen sich heute schon selbst, so die Expertin. Was zunehmend wichtiger werde, sei jetzt die Medienkompetenz, damit Verbraucher aus der Flut vielen Gesundheit- und Medizin-Apps zu ihrem Nutzen selbstbestimmt die für sie "richtige" App finden können. "Alle drei Apps "Schwanger & Essen", "Baby & Essen" sowie "Kind & Essen" wurden getestet. Die Testberichte können interessierte Frauen auf HealthOn einsehen. Die geprüften Apps erfüllen, mit kleinen Abstrichen, alle Basisanforderungen an Qualität und Transparenz, was Verbraucher am HealthOn-Qualtiätssiegel erkennen können," so Dr. Kramer.

Prof. Dr. Hannelore Daniel von der Technischen Universität München gab einen Einblick in die Innovationen der globalen Health-Startup Szene. Sie ist davon überzeugt, dass wir in naher Zukunft Gentests und Blutanalysen zuhause mit unseren Smartphones selbst durchführen können zu einem heute noch unvollstellbar niederigen Preis von unter einem Euro. "Das wird unsere Möglichkeiten in der Früherkennung von Krankheiten drastisch verändern."

Prof. Dr. Hans Hauner stellte die Ernährung in der Schwangerschaft in den Mittelpunkt seines Vortrages. Wichtig seien demnach die Folsäureversorgung bereits vor der Schwangerschaft sowie die ausreichende Versorgung mit Jod in der Schwangerschaft. Ansonsten empfiehlt er Schwangeren eine gesunde Mischkost. Sie bräuchten keine zusätzlichen Kalorien, sondern sollten eher darauf achten, nicht zu viel an Gewicht zuzunehmen, da dies für die Frau und das Kind mit einem erhöhten Risiko einhergehe.

Prof. Dr. Koletzko vom Dr. Haunerschen Kinderspital ging auf die Säuglingsernährung und die besondere Bedeutung des Stillens für die spätere Gesundheit des Kindes ein. Der Proteingehalt von Kindernahrung sei zu hoch und erhöhe das Risiko für Adipositas. 

Prof. Dr. Renate Oberhoffer von der Technischen Universität München betonte die besondere Bedeutung von Bewegung in der Schwangerschaft auf die spätere Entwicklung des Kindes.

Journalistenworkshop "Digitale Ernährungsrevolution", 9.12.2015, Münchnen

Vorsicht Ernährungs-Apps, Ärzte Zeitung, 23.12.2015

 

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