Besser leben mit Krebs: Welchen Beitrag leisten Apps?

In der aktuellen Beilage der FAZ "Mit Krebs leben lernen" stehen auch sog. Krebs-Apps im Fokus, die als Hilfen in der Krebsfrüherkennung und zur Krankheitsbewältigung in den großen App-Stores angeboten werden. Im Vorfeld des Interviews hat die Expertin für Gesundheits-Apps Dr. Ursula Kramer mit dem Team von HealthOn das derzeitige Angebot an Krebs-Apps untersucht. Sie erkärt, warum Krebs-Patienten die Angebote bisher kaum nutzen und beleuchtet die Qualität der Apps. Welche Hilfe können Verbraucher von Krebs-Apps derzeit erwarten, worauf ist bei deren Nutzung zu achten? Die wesentlichen Ergebnisse kurz zusammengefasst:

  • Fast alle Krebs-Apps vermitteln Wissen oder bieten Zugang zu Hilfeangeboten

Die große Mehrzahl (85 Prozent) der untersuchten Krebs-Apps setzt auf Wissensvermittlung als Schlüssel zu besserem Krankheitsverständnis und aktiverer Patientenbeteiligung: Die Apps bieten Informationen zu Diagnose- und Therapieverfahren etc. praktisches Wissen zu Patientenrechten, zur Erstellung von Vorsorge- und Betreuungsvollmachten, Tipps zum Umgang mit Arbeitgeber und Behörden und Kontaktinformationen zu Beratungs- und Betreuungsstellen für Krebspatienten und deren familiäres Umfeld. Sie erleichtern mit Kontaktinformationen das Auffinden von spezialisierten Behandlungszentren und qualifizierten Hilfeangeboten.

  • Die Hälfte der Krebs-Apps arbeitet als digitale Patiententagebücher

Körperveränderungen bzw. die eigene Befindlichkeit achtsam wahrzunehmen und zuerkennen, was guttut und was belastet, könnte Patienten und deren behandelnde Ärzte bei Diagnose- oder Therapieentscheidungen unterstützen. Das gemeinsame Verständnis von Patient und Arzt über Verlauf und Verträglichkeit einer Therapie könnte helfen, die Behandlung besser an den Erwartungen des Betroffenen auszurichten. Soweit die Hoffnungen. Ob und wenn ja wie sich durch den Einsatz digitaler Patiententagebücher die Behandlungsqualität für Patienten verbessert, werden wissenschaftliche Studien zeigen müssen.

  • Nur eine Krebs-Apps setzt auf die Hilfe durch andere Betroffene

Mit der App können Betroffene Erfahrungen und Tipps in geschütztem Rahmen austauschen und sich dazu in Diskussionsgruppen jederzeit treffen. Im Schutz der Anonymität können sie Fragen stellen, ein Ethikkodex soll verhindern, dass Diskussionen in der Community von Produkt- oder Unternehmensinteressen beeinflusst werden. Das Potential der digitalen Selbsthilfe wird als Unterstützungsansatz für Krebspatienten bisher kaum genutzt.

  • Die Hersteller-Angaben zur Einschätzung der Vertrauenswürdigkeit und Sicherheit sind lückenhaft

Die untersuchten Apps stammen in der Regel von unbekannten Anbietern, neben staatlichen Institutionen (n=3), Berufsverbänden (n=1) und Selbsthilfeorganisationen (n=2) treten auch Pharmaunternehmen als Sponsoren bzw. Anbieter auf (n=5). Weil Informationen zu Autoren und Quellen der gesundheitsbezogenen Informationen lückenhaft sind oder vollständig fehlen, lässt sich nur schwer einschätzen, ob Empfehlungen oder Tipps fachlich richtig und frei von Firmeninteressen sind. Ob und wie die personenbezogenen Daten geschützt sind, die immerhin bei jeder fünften untersuchten App mit Dritten ausgetauscht werden können, darüber kann eine Datenschutzerklärung Aufschluss geben, diese fehlt in den meisten Fällen. Ohne Impressum, das zeigt, wer bei Datenschutzverletzungen rechtlich verantwortlich gemacht werden kann, und ohne Hinweise, wie sich eine kostenlose App finanziert, geht der Nutzer das Risiko ein, falsch informiert zu werden oder mit seinen persönlichen Daten für die App-Nutzung zu bezahlen.

FAZIT: Nutzer sind daher gefordert, sorgfältig zu prüfen, ob sie einer "Krebs-App" sensible Daten anvertrauen. Eine Checkliste Gesundheits-Apps, die dabei hilft, die ausführlichen Testberichte aller 21 untersuchten „Krebs-Apps“ und über 500 weiterer Gesundheits-Apps können Interessierte über die unabhängige Informations- und Bewertungsplattform für Gesundheits-Apps HealthOn abrufen.
Infographik zu Krebs-Apps, Warum werden Krebs-Apps kaum genutzt? - Erklärungsansätze.

Quelle: Mit Krebs leben lernen. Beilage in der FAZ, 27.01.2017. Dr. Ursula Kramer. Apps in der Onkologie: Zwischen Wunsch und Wirklichkeit.

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